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Nation und Exklusion. Der Stolz der Deutschen und seine Nebenwirkungen.

46% aller Deutschen waren zu Hochzeiten des WM-Sommers 2006 „sehr stolz“ darauf, deutsch zu sein. Gleichzeitig stieg die Zahl der fremdenfeindlichen Straftaten von 800 im April auf 1200 im Juni – ein Anstieg um 50% innerhalb von nur zwei Monaten. Das Jahr 2006 war ein „Rekordjahr rechtsextremistisch motivierter Straftaten“, stellte der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye fest. Einfach wäre es nun, diesen offensichtlichen Zusammenhang dem Zufall zuzuschrieben.

Die Sozialwissenschaftler Klaus Ahlheim und Bodo Heger machen es sich nicht so einfach. In ihrer jüngst als Taschenbuch veröffentlichten Studie „Nation und Exklusion. Der Stolz der Deutschen und seine Nebenwirkungen“ gehen sie dem Zusammenhang von Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit sowie Antisemitismus auf die Spur. Ihr Fazit: „den immer wieder postulierten, während des WM-Sommerfestes 2006 mantraartig beschworenen, harmlosen Nationalstolz gibt es so nicht. Die Betonung des Nationalen, die Überbetonung zumal, ist vielmehr ohne Exklusion, den Ausschluss der Anderen und ohne den Ausschluss auch der unbequemen deutschen Vergangenheit nicht zu haben.“

Fußball als Nationalismus-Motor

Die Studie der beiden Sozialwissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen geht dem Anstieg des Nationalstolzes vor, während und nach der Weltmeisterschaft 2006 nach und zeigt signifikante Zusammenhänge zwischen dem in der WM-Euphorie neu entfachten Nationalstolz der Deutschen und fremdenfeindlichen Vorurteilen, Antisemitismus und einer verbreiteten Schlussstrich-Mentalität auf.

Die Trends, die die Studie aufzeigt, sind dabei klar: In den letzten 12 Jahren kam es in Deutschland zu einem signifikanten Anstieg des Nationalstolzes. Vor Allem junge Menschen sind es, die den „neuen“ Nationalismus für sich entdecken. Gleichzeitig stiegen autoritäre Wunschvorstellungen wie die nach „führenden Köpfen“ deutlich an. Der Zusammenhang des Stolzseins auf Deutschland mit fremdenfeindlichen Einstellungen ist ebenso unübersehbar, gleiches gilt für antisemitische Einstellungen. Auch der Wille, endlich einen Schlußstrich unter die deutsche Vergangenheit zu ziehen, korreliert deutlich mit steigender nationalistischer Einstellung. 73% der deutschen Bevölkerung sind stolz, Deutsche zu sein, 22 % gar sehr stolz.

Nationalismus als Kompensation

Die Wissenschaftler schlüsseln in ihrer Studie auch auf, wer besonders „anfällig“ für Nationalstolz ist. Dabei fangen sie bereits in der Grundschule an und stellen fest, dass je schlechter die Zeugnisnote im Fach ‚Deutsch‘, desto Ausgeprägter der Nationalismus auch schon bei Kindern ist. Ähnliche Korrelationen bestehen zwischen Schulabschluß oder sozialem Status und dem Stolz aufs Deutschsein. Ebenso fördere bereits die Angst vor Arbeitslosigkeit die Neigung zu starkem Nationalstolz. Je weiter man es in der Gesellschaft gebracht hat, so die Studie, desto weniger identifiziert man sich über nationale Zugehörigkeiten. „Es sind […] die Verlierer im Globalisierungs- und Modernisierungsprozess, die etwas suchen, auf das sie gleichwohl stolz sein können, vor und unabhängig von allem eigenen Verdienst und gesellschaftlicher Deklassierung“, resümieren die Autoren.

Parteipolitisch sind es vor Allem die Anhänger der Grünen, die von Nationalismus nichts wissen wollen. Nur 4% waren 2006 „sehr stolz“ auf ihr Land, womit die grünen Wähler die einzigen wären, bei denen im Vergleich zu 1996 ein Rückgang des Nationalstolzes zu verzeichnen war. Selbst bei der PDS stieg der Anteil der sehr stolzen von 8% auf 16%. Im Übrigen waren 2006 auch 23% der sich selbst als „sehr links“ einstufenden Deutschen „sehr stolz“ auf „ihr Land“. Bei der NPD waren 2006 42% besonders erfreut über ihre Nationalität – eben so viele, wie „ganz normale Deutsche“ im WM-Sommer 2006.

Es bleibt dabei: nie wieder Deutschland!

So ist nun auch empirisch festgestellt: Es ist eben nicht alles nur Fußball. Wer dieser Tage mit Deutschlandflaggen durch Göttingens Straßen rennt kann sich nicht von der Verantwortung frei sprechen, ein gesellschaftliches Klima mit zu erzeugen, dass einen besonders großen Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bietet.

Nation und Exklusion. Der Stolz der Deutschen und seine Nebenwirkungen. Erhältlich für 12,80 Euro im Buchladen Rote Straße.

16 Kommentare »

  1. so ein scheiß habe ich noch nie gehört!
    wenns euch nicht verpasst, verzieht euch doch aus deutschland ihr scheiß linken!!

    Comment von Julian — 23. Juni 2008 @ 15:54

  2. „Wer dieser Tage mit Deutschlandflaggen durch Göttingens Straßen rennt kann sich nicht von der Verantwortung frei sprechen, ein gesellschaftliches Klima mit zu erzeugen, dass einen besonders großen Nährboden für Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus bietet.“

    Echt ey: Fußball statt Deutschland! Jeder mit ner Flagge ist ein Nationalist, Chauvinist, Imperialist und Revisionist! Hoffentlich fliegt Deutschland raus, dann kann ich mit ner Türkeiflagge die Scheiß-Deutschen auslachen…

    Comment von James Blunt — 23. Juni 2008 @ 16:32

  3. …und wieder bricht sich die nationalistische Ausgrenzung Bahnen ganz nach dem Motto, wer nicht mitmacht ist unser Feind -und hat sich als Volksfeind aus dem nationalen Raum zu entfernen.

    Comment von occupist — 23. Juni 2008 @ 16:41

  4. Hallo Julian und danke für den Anpiss. Auch wenn ich davon ausgehe, dass du an einer ernsthaften Diskussion nicht interessiert bist: Wo sind deine Argumente? Immerhin wurde hier anhand einer repräsentativen empirischen Erhebung Nachgewiesen, dass Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit nicht voneinander zu trennen sind. Oder meinst du etwa, wenn mir die Fremdenfeindlichkeit nicht passt, soll ich mich verpissen? Fragt sich, die Rakete

    Comment von Rakete — 23. Juni 2008 @ 17:19

  5. Hochzeit und Hochzeit…schon verwirrend.
    (Und ich weiß, ihr murmelt und denkt drüber nach. Wenigstens die GermanistikstudentInnen unter euch.)

    Comment von kurzundlang — 23. Juni 2008 @ 23:21

  6. Hmm, das sind aber Neuigkeiten. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die letzten Ergebnisse doch eher die Feststellung, dass eine ausgepraegte rechtsextremistische Orientierung eben nicht nur irgendwelchen armen Menschen ohne Zukunft finden, sondern durchaus bei Menschen aus der Mittelschicht. Werd mal gucken, ob ich dazu noch Texte rumfliegen hab.

    Comment von sledder — 24. Juni 2008 @ 16:38

  7. Dem widerspricht die Studie nicht, im Gegenteil. Sie besagt lediglich, dass derlei Tendenzen vermehrt in unteren Schichten anzutreffen sind, jedoch auch bis weit in die „Mitte“ reichen…

    Comment von Rakete — 25. Juni 2008 @ 00:23

  8. Lache und Lache… die wo entsteht, wenn Flüssigkeiten auslaufen, und die wo nerven kann, wenn se klingt wie vom Schwein. Mehr?

    Comment von Germanistikstudent — 25. Juni 2008 @ 11:44

  9. armer julian…
    stammen die ganzen, sehr abenteuerlich klingenden, prozentzahlen alle aus dem buch??

    Comment von hello — 26. Juni 2008 @ 09:39

  10. Ja, stammen sie. Was ist an ihnen denn abenteuerlich?

    Comment von Rakete — 26. Juni 2008 @ 10:45

  11. …und wieder bricht sich die linke Ausgrenzung Bahnen ganz nach dem Motto, wer nicht mitmacht ist unser Feind -und hat sich als ideologischer Feind aus dem öffentlichem Raum zu entfernen.

    Comment von James Blunt — 26. Juni 2008 @ 12:38

  12. „73% der deutschen Bevölkerung sind stolz, Deutsche zu sein, 22 % gar sehr stolz.“

    95 % der deutschen Bevölkerung ist stolz Deutscher zu sein? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen… selbst wenn, wären es doch nur blödsinnige Zahlenspiele. Die Frage ist doch eher, was steht hinter diesem Stolz? Stolz auf eine offene tolerante Gesellschaft oder eine freiheitliche Verfassung? Oder Stolz auf die WM in Deutschland? Oder Stolz auf das „deutsche Wesen“, an dem die Welt genesen soll? Das würde mich eher interessieren.

    An sich ist das sicherlich ein gutes Buch, welches die Debatte antreibt. Doch an dieser sozialwissenschaftlichen Empirie stört mich einiges, denn mit diesen Zahlen kann man vielleicht Mathematiker erfreuen, die Aussagekraft ist damit noch nicht erwiesen.

    Comment von James Blunt — 26. Juni 2008 @ 12:46

  13. Ach ja, nochmal zu deinen letzten Sätzen Rakete. Deine journalistische Überspitzung in allen Ehren, aber glaubst du wirklich, jeder, der mit ner Deutschlandflagge rumläuft ünterstützt ein Klima der Fremdenfeindlichkeit? Das Fußball auch verbinden kann (nicht zwingend muss) hat man doch hinreichend bei der WM gesehen, wenn die Fans nach dem Spiel trotzdem zusammen feiern. OK, wahrscheinlich hast du es nicht gesehen ;-)
    Nach deiner Logik ist man also auch zwangsläufig für ein Klima der Gewalt, wenn man auf eine Demo geht, bei der gewaltbereite Menschen Polizisten angreifen?

    Comment von James Blunt — 26. Juni 2008 @ 13:04

  14. „73% der deutschen Bevölkerung sind stolz, Deutsche zu sein, 22 % gar sehr stolz“
    ist nicht gleich „95 % der deutschen Bevölkerung ist stolz Deutscher zu sein“

    Comment von mathematiker — 26. Juni 2008 @ 18:20

  15. Finde natuerlich meine Unterlagen nicht. Aber:
    Mensch kann auch gegen ein Klima der Gewalt sein und auf eine Demo gehen, und trotzdem von Polizist_Innen angegriffen werden (selbst ganz pazifistisch auf dem Boden sitzend)

    Comment von sledder — 27. Juni 2008 @ 15:37

  16. und endlich wieder die gewaltdebatte
    was ist denn eigentlich gewalt?
    ein plakat ankleben? einen edding auf dem klo benutzen? einen stein werfen?
    menschen abschieben? mit helm und schlagstock auf leute einprügeln die wegrennen?
    ünerlegt doch vielleicht erstmal ob ein staatliches gewaltmonopol das wahre ist…

    Comment von bats — 28. Juni 2008 @ 02:16


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