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Von der Wiege bis an die Bahre braun? – Wie Frauen die rechtsextreme Szene stabilisieren

Rechtsextremismus gilt weithin als Männerdomäne. Doch auch Frauen nehmen dort mittlerweile wichtige Positionen ein. Sie machen rechtsradikale Parteien anschlussfähig für die Mitte und haben innerhalb der rechtsextremen Szene eine stabilisierende Funktion. Die Politikwissenschaftlerin Renate Bitzan hält am Freitag einen Vortrag zu Weiblichkeitskonstruktionen und geschlechtertheoretische Orientierungen extrem rechter Frauen im Cafe Kabale. Bei Monsters of Göttingen gibt sie eine Einführung in das Thema.

Frauen sind in den verschiedenen Dimensionen des Rechtsextremismus unterschiedlich stark involviert. Sie haben bei gewalttätigen Übergriffen einen zwar steigenden, aber nach wie vor geringen Anteil von fünf bis zehn Prozent. In rechtsextremen Parteien liegt ihr Anteil unter Mitgliedern und FunktionsträgerInnen im Durchschnitt um 20 Prozent. Glaubt man den Eigenangaben der NPD, so steigt deren Frauenanteil: mittlerweile sei jedes zweite Neumitglied weiblich. In rechtsextremen Organisationen, Kameradschaften und Cliquen wird der Mädchen- und Frauenanteil auf zehn bis 33 Prozent geschätzt. Unter den WählerInnen rechtsextremer Parteien finden sich etwa zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen. Auf der Ebene der Einstellungen schließlich können wir von einer ungefähren Gleichverteilung nationalistischer, rassistischer, fremdenfeindlicher und antisemitischer Einstellungen bei beiden Geschlechtern ausgehen. Die Untersuchungsergebnisse weichen allerdings voneinander ab und zeigen teilweise niedrigere, teilweise sogar höhere Zustimmungsraten von Frauen. Der einzige Punkt, dem Frauen regelmäßig in geringerem Maße zustimmen, ist die Akzeptanz von Gewalt.

Sicher gibt es unter den Frauen viele Mitläuferinnen – ebenso wie unter den Männern. Daneben gibt es jedoch auch viele „Macherinnen“: Sie melden Demonstrationen an, schreiben propagandistische Artikel, leisten Rechtsberatung für Neonazis, betreiben Kneipen und Cafés als rechte Szenetreffpunkte, vertreiben als Geschäftsfrauen entsprechende Kleidung und Accessoires, treten bei Veranstaltungen als „nationale Liedermacherinnen“ auf, unterhalten Tagungshäuser für einschlägige Konferenzen, halten Hetzreden bei Aufmärschen, oder besetzen punktuell Schlüsselpositionen in rechtsextremen Organisationen. Frauen unterschiedlichen Alters und Bildungshintergrunds engagieren sich im Rechtsextremismus.

Rechtsextreme Frauenorganisationen

Während die meisten rechtsextremen Frauen in gemischt-geschlechtlichen Gruppierungen aktiv sind, gibt es eine Minderheit, die sich – meist zusätzlich – in reinen Frauengruppen organisiert. Während in den 1970er bis 1990er Jahren nur sehr wenige solcher Organisationen bestanden, setzte seit Ende der 1990er Jahre ein gewisser Boom von ca. 30 Neugründungen ein. Einzelne wurden verboten, andere sind inzwischen wieder eingegangen, doch einige sind über Jahre aktiv geblieben, wie die überregionale „Gemeinschaft deutscher Frauen (GDF)“ und der regionale „Mädelring Thüringen (MRT)“. 2006 wurde zudem der „Ring nationaler Frauen (RNF)“ gegründet, der einerseits die Frauen in der NPD vereinigt und inzwischen als offizielle Untergliederung anerkannt ist, andererseits auch um die Mitgliedschaft von Frauen wirbt, die keine NPD-Mitglieder sind. Es muss befürchtet werden, dass diese Rekrutierung relativ erfolgreich verläuft.

Dafür, dass es sich bei den rechtsextremen Frauengruppen vor allem um eine zunehmende Ausdifferenzierung der Szene handelt, spricht die unterschiedliche Schwerpunktsetzung der einzelnen Frauengruppen, die von Gefangenenbetreuung über Brauchtumspflege oder Mutter-Kind-Fragen bis zu politischer Schulung oder Demonstrationsbeteiligungen reicht.

Mütterkult – aber nicht nur

Heterogen ist auch das vertretene Frauenbild. So gemahnt die GDF ihre Mitglieder stets an die „Pflicht zu Mutterschaft“ und „Arterhaltung“ und bietet vor allem Raum für den Austausch über Erziehungsfragen und germanisches Brauchtum. Hier wird den Frauen also in klassisch differenzorientierter Weise eine spezifische Aufgabe für „Volk und Vaterland“ zugewiesen, die sie zugleich als Gleichwertige bestärken soll. Der RNF hingegen stellt das politische Engagement in den Vordergrund. Frauen sollen dazu ermutigt werden, politische Funktionen und Ämter zu übernehmen und sich verantwortlich und öffentlich einzumischen. Inhaltlich bezieht der RNF zwar anti-feministische Positionen, wettert gegen Gender-Mainstreaming und macht sich für ein „Müttergehalt für deutsche Mütter“ stark; die Sphären des Politischen und der Berufstätigkeit jedoch sollen keineswegs den Männern überlassen bleiben, womit ein strikt traditionalistisches Frauenbild durchaus hinterfragt wird. Der MRT schließlich ruft auf: „Deutsche Frauen, wehrt euch gegen das Patriarchat! Nationaler Feminismus voran!“ Diese Haltung stellt zwar eine Minderheitenposition im rechtsextremen Spektrum dar, zeigt jedoch, welch vielfältige Vorstellungen zum Geschlechterverhältnis mit nationalistischen und rassistischen Positionen vereinbar sind. Dabei kann das gelebte Leben vom postulierten Anspruch der Organisation durchaus abweichen. Ideologischen Vorrang hat allemal die Orientierung an der „deutschen Volksgemeinschaft“ – wie frau dieser Sache dient, scheint eher zweitrangig zu sein.

Auch das äußere Erscheinungsbild rechtsextremer Frauen ist keineswegs einheitlich. Zöpfe und Trachtenlook oder Bomberjacke und Stiefel kommen zwar vor, häufiger jedoch geht frau girliemäßig bauchfrei, gepierct und sonnenbebrillt oder „ganz normal“ bis „seriös-schick“. Gerade die letzten Varianten bringen Konsequenzen mit sich. Zum einen kann das Image rechtsextremer Gruppen durch die sichtbare Teilnahme von „friedlich“ und „normal“ wirkenden Frauen aufgebessert werden. Zum anderen haben Außenstehende Erkennungsprobleme, wenn in ihrem alltäglichen Umfeld rechtsextreme Frauen auftauchen und sich in ihren politischen Äußerungen zunächst bedeckt verhalten. Sei es in der Nachbarschaft, im Elternbeirat der Schule, als Erzieherin im Kindergarten, im Schwimmverein oder im KollegInnenkreis: Der freundlichen NPDlerin sieht man ihre Gesinnung nicht an der Nasenspitze an – auf diese Weise gelingt es ihr, das Vertrauen des Umfelds zu gewinnen und nach und nach Einfluss zu nehmen.

Ein anderer Effekt der vermehrten Präsenz von Mädchen und Frauen in der rechtsextremen Szene besteht darin, dass junge Männer, die sich früher häufig außerhalb der Szene eine Freundin suchen mussten und darüber nicht selten Distanz zu ihren bisherigen Kreisen aufbauten, nun häufig szene-intern eine Partnerin finden. Kinder aus solchen Verbindungen wachsen in einem familiär homogenen rechtsextremen Weltbild auf. Entsprechend gibt es zunehmend Angebote „für die ganze Familie“, wie Sommerfeste, Familienwanderungen, Hausaufgabenhilfe, Bürgerberatungs-Büros und sogar erste „nationale Krabbelgruppen“. Insgesamt trägt die Beteiligung von Frauen am Rechtsextremismus also zu einer Stabilisierung der Szene, zu einem Ausbau eines homogen rechtsextremen Milieus für die nachwachsende Generation und zu wachsendem Einfluss in der sogenannten Mitte der Gesellschaft bei.

Dr. Renate Bitzan ist Sozialwissenschaftlerin. Sie promovierte über die Geschlechterdiskurse rechtsextremer Frauen und ist Mitbegründerin des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus. Von 1999 bis 2008 forschte und lehrte sie an der Uni Göttingen. Momentan lehrt sie an der Uni Frankfurt.

Zum Weiterlesen
- Bitzan, Renate: Differenz und Gleichheit – Zur Geschlechterideologie rechter Frauen und ihren Anknüpfungspunkten zu feministischen Konzepten, in: Antifaschistisches Frauennetzwerk / Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus (Hg.): Braune Schwestern? Feministische Analysen zu Frauen in der extremen Rechten, Münster/Hamburg 2005, S.75-90;
- Dies.; Köttig, Michaela; Schröder, Berit: Vom Zusehen bis zum Mitmorden. Mediale Berichterstattung zur Beteiligung von Mädchen und Frauen an rechtsextrem motivierten Straftaten, in: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, 21. Jg., Heft 2 u. 3/2003, S.150-170.

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5 Kommentare

  1. Ohne den Text jetzt gelesen zu haben: Es jedoch recht auffällig ist, wie es gerade Frauen sind, die viele Nazis wieder aus dieser Szene herausholen. Zu beobachten ist oft, dass sobald eine feste Beziehung am Start ist, die Ersatzfamilie (die Kameraden) oft nicht mehr so angesagt ist. Weil Liebe und Hass schlecht zusammen passen, entscheiden sich viele für die Liebe… solang‘ sie noch etwas jünger und nicht so sehr gefestigt sind.

    Comment von \m/(-_-)\m/ — 13. Juli 2009 @ 20:48

  2. dazu aktuell: Der „Ring Nationaler Frauen“ (RNF)
    http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/meldungen/streit-und-ruecktritte-im-frauenverband-der-npd/

    Comment von Cafe Besucher — 13. Juli 2009 @ 23:58

  3. Das Ganze findet übrigens im Rahmen des San Francis Festivals statt. www.sanfrancis-at-kabale.de – am 2. August spielen Revolte Springen

    Comment von Kabale — 14. Juli 2009 @ 22:26

  4. @m/(-_-)m/: wer lesen kann ist klar im vorteil – hab mir den text durchgelesen, da hat sich dein text auf reden um zu reden reduziert,…

    Comment von erst lesen, dann müll schreiben — 3. August 2009 @ 02:48

  5. hey m/(-_-)m/:

    wer lesen kann ist klar im vorteil – hab mir den text durchgelesen, da hat sich dein text auf reden um zu reden reduziert,…*löl*

    Comment von lesen hilft — 3. August 2009 @ 02:52


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