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Sa. 19.9.: Antimilitaristische Fahrradtour in Göttingen

Wir dokumentieren hier im Folgenden die Veranstaltungsankündigung der Veranstalter, der „Antimilitaristischen Perspektive Göttingen“:

Warum in die Ferne schweifen, wenn…

…das Militär ist doch so nah? Auf den ersten Blick scheint es, als sei die Bundeswehr mit der Auflösung der Kaserne 1994 aus Göttingen verschwunden. Lediglich ein Musterungszentrum und ein Verbindungskommando für zivil-militärische Zusammenarbeit sind geblieben. Über 100 weitere Standorte hat die Bundeswehr in den letzten zehn Jahren aufgelöst. Und doch nimmt die Militarisierung zu und lässt sich auch in Göttingen an einigen Orten festmachen. Wie kann das sein?

Spätestens seit 1998 haben sich deutsche Bundesregierungen von allen anti-militärischen Hemmungen befreit. Jetzt geht es ums Mitmischen, wenn Einflusssphären, Rohstoffe oder Handelswege neu aufgeteilt werden. Mit dem fälligen Blutzoll kann man umgehen ? aufrichtiges Bedauern kostet ja nichts. Aber: Die Bundeswehr selbst ist noch nicht einsatzfähig und die Bevölkerung reagiert bisweilen bockig auf die Kriegseinsätze. Diese zwei Hemmschuhe einer weiteren Militarisierung der Politik sollen jetzt wegmodernisiert werden. Und daran beteiligen sich auch zivile Einrichtungen. Diese gehören nicht zur Bundeswehr, aber sie sorgen für ihre Existenz- und Einsatzfähigkeit:

Ein Punkt ist etwa die Umrüstung der Armee mit zur neuen Rolle passenden Waffen. Entwicklung und Produktion sind ?zivile? Aufgaben. Weil die jährlich 30 Milliarden so aber schnell weg sind, wird überall wo es nicht um die Kriegsführung selbst geht ? vom Bäcker bis zur Logistik ? auf billigere ?zivile? Anbieter zurückgegriffen. Das spart zudem Personal und ist damit doppelt nützlich. Denn Leute, die sich zu einsatzfähigen KampfsoldatInnen disziplinieren lassen, sind schwer zu finden, es werden aber immer mehr gebraucht. Deshalb arbeitet die Bundeswehr auch mit „zivilen“ Schulen, Behörden und Medien zusammen, die sich mit Engagement fürs Kriegshandwerk einsetzen wollen. Damit das alles klappt und sich auch der Protest gegen Auslandseinsätze in Grenzen hält, wird zudem am positiven Bild des Militärs gearbeitet – selbstverständlich zielgruppengerecht und unter Ausblendung der realen Grausamkeiten des Krieges: Militärorchester für Alte, Denkmäler für Traditionsbewusste, Hochämter für Hinterbliebene, öffentliche Gelöbnisse für politisch Denkende, Technik und Strandsausen für sportliche Jungmänner.

Vieles davon findet auch in Göttingen statt. Die Bundeswehr ist weg, die Militarisierung schreitet voran. Geld von der Bundeswehr nehmen bedeutet, Vorbehalte gegenüber Kriegs- und Befehlsgewalt abzubauen oder sich nicht mehr kritisch dazu äußern zu können.

Bei der auch für Kinder geeigneten Fahrradrundfahrt werden wir sehen wo die Militarisierungsgewinnler sitzen und nachschauen, ob die breite Militarisierung nicht auch große Angriffsflächen für Widerstand schafft?

Samstag, 19. September 2009, 14:00 Uhr
Treffpunkt: Kriegerdenkmal am Auditorium (Weender Straße/Nikolausberger Weg)

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