Exportschlager Zugblockade
Der Castor-Transport konnte auch deswegen ungehindert Göttingen passieren, weil viele Atomkraftgegner_innen an Aktionen an anderen Stellen der Strecke beteiligt waren. Einige reisten nach Morschen bei Kassel und halfen mit, den Castor dort zweieinhalb Stunden zu blockieren. Monsters of Göttingen war mit vor Ort.
Das Generatorenbrummen des Castorzugs ist zu hören. Er passiert langsam einen Streckenabschnitt unweit der nordhessischen Ortschaft Morschen. Auf einem Acker neben dem Gleis stehen Aktivist_innen. Zusammen mit Kletternden, die sich von einer nahe gelegenen ICE-Brücke abseilten, hatten sie den Castorzug über zwei Stunden lang aufgehalten.
Bereits lange zuvor hatten sich die Aktivist_innen im Gelände aufgehalten. Immer wieder fürchteten sie, entdeckt zu werden und hatten Schutz im dichten Bewuchs gesucht. Der Polizei sind sie dabei offenbar entgangen.
In Göttingen kam es in diesem Jahr zu keinem Protest auf der Schiene. 200 Menschen haben aber in der Nacht zu Sonntag auf der Straße gegen Atomkraft demonstriert.
Irgendwann in der Nacht schwindet allerdings die Hoffnung, dass der Castor Altmorschen tatsächlich passiert. Der Zug steht zu dieser Zeit in Bebra und macht keine Anstalten, seine Fahrt fortzusetzen. Er hinkt seinem eigentlichen Zeitplan etwa 50 Minuten hinterher. Beobachtungen von Streckenposten werden gedeutet und es scheint, als würde alles für die Ausweichroute sprechen. Kurz droht Frustration aufzukommen.
Nach drei Uhr kommt wieder Bewegung in die Situation. Der Zug fährt und er ist auf der vermuteten Route. Weit wird er nicht kommen, denn mittlerweile hat die Polizei auch die Brückenkletterer entdeckt. Unter ihnen ist Cécile Lecomte, die auch als das Eichhörnchen bekannt ist und bereits einige ähnliche Kletteraktionen hinter sich gebracht hat. Sie und ihr Partner geben in der RadioActiv Sondersendung im Göttinger StadtRadio Liveinterviews, während sie 15 Meter über den Gleisen hängen. Sie waren lang relativ unbehelligt geblieben. Jetzt stehen Polizisten unterhalb der Brücke und schreien Anweisungen durch ein Megafon. Es ist laut, Interviews sind so nicht mehr möglich.
Etwa zur gleichen Zeit besetzen die Aktivist_innen das Gleis. Die Polizei tut sich zunächst schwer, den Ort zu erreichen. Auf der angrenzenden Bundestrasse ist das Blaulicht der hessischen Polizisten zu sehen. Einsatzwagen fahren auf und ab, finden aber keinen Zugang, die Böschung trennt die Straße von den Schienen. Schließlich verschwinden sie wieder.
In Richtung Altmorschen tauchen endlich die Scheinwerfer der Lok auf, die den Castor zieht. Ihr Licht bricht sich in feinen Regentropfen, die seit ein paar Minuten auf die Aktivsten nieder gehen. Der Castorzug ist lang. Er transportiert nicht nur den strahlenden Müll, sondern auch die Hundertschaften der Bundespolizei. Er hält mehrere Hundert Meter vor den Gleisaktivisten. Ohne Eile steigen Einsatzkräfte aus und bewegen sich in ihre Richtung. Einige der Aktivist_innen weichen zurück und lassen sich auf einem angrenzenden Acker festsetzen.
Andere bewegen sich auf den Gleisen, schlagen sich ins Buschwerk und überziehen die Beamten aus sicherer Entfernung mit Spott. Die Situation ist relativ entspannt, die Polizei nimmt Personalien auf und fotografiert die Aktivist_innen vor Ort. Nur ein Blockierer wird außer Sichtweite von zwei Beamten Auf die Gleise gedrückt, seine Arme werden ihm auf dem Rücken verdreht.
Gegen 5.30 Uhr ist alles vorbei. Die Aktivist_innen werden gehen gelassen, der Castor rollt wieder, langsam, in Schrittgeschwindigkeit.
Über dem Zug hängen noch die beiden Kletterer. Sie haben mittlerweile ihre Position verändert, um so wenig wie möglich von der Strahlung abzubekommen. Sie werden später von der Brücke geholt und wie drei weitere, die die Aktion gesichert hatten, in Gewahrsam genommen. Für die Gleisblockierer_innen geht eine lange Nacht zu Ende. Gemeinsam mit den fünf auf der Brücke haben sie den Castorzug rund zweieinhalb Stunden gestoppt. Dann fährt er weiter Richtung Göttingen.
castor
Über ein Jahr ist es her, dass die Revolten im nahen Osten Europa in ihren Bann zogen. Mittlerweile ist die Situation diffus und schwer durchschaubar. Jetzt waren einige AktivistInnen aus Tunesien zu Besuch in Göttingen – Monsters hat mit Ihnen über die Situation in Tunesion und den Charakter linksradikaler Bewegungen im post-revolutionären Tunesien gesprochen.

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Jetzt wird es spassig. Ich bin mal auf die Bilder im TV gespannt. Ganze Herden von Schafen und Ziegen haben eine Straße nahe dem Zwischenlager blockiert. Am Nachmittag seien rund 2000 Schafe sowie 50 Ziegen auf die Landstraße zwischen Gorleben und Laase gelangt. Wenn die Polizisten die Schafe wegtragen, das wird sicher ein Erlebnis für uns als Zuschauer.
Comment von buch leser — 8. November 2010 @ 18:05
so schlimm kann das mit der strahlung anscheinend nicht sein, wenn man sich vor ihr schützen kann, indem man seine „position verändert“…
Comment von ... — 9. November 2010 @ 13:28
don‘t feed the toll.
Comment von Death souls — 9. November 2010 @ 13:36
Reportage von der Blockade im StadtRadio: http://www.stadtradio-goettingen.de/podcast/index_ger.html#e5642
Comment von Rakete — 10. November 2010 @ 10:57