Student als Neonazi enttarnt
Antifa-Aktivisten haben einen Studenten an der Göttinger Universität als Neonazi enttarnt. In Flugblättern, Websites und E-Mails über Mailinglisten wurde auf entsprechende eigene Bekenntnisse des Studenten hingewiesen, die dieser in einschlägigen Internetforen gemacht hatte.
Der seit 2008 in einem großen Nazi-Forum („Germanische Weltnetzgemeinschaft“) aktive Medizinstudent bekennt sich dort zum Nationalsozialismus und beschäftigt sich in auch von ihm selbst initiierten Diskussionen mit Holocaust-Leugnung. So redet er vor allem der These das Wort, es habe niemals Vergasungen in Konzentrationslagern gegeben. In seinen Beiträgen, die in ihrer Signatur ein Bild und ein Zitat Adolf Hitlers tragen, zählt sich der Student selbst zu den Geschichtsrevisionisten und erklärt seine Begeisterung für Publikationen von anderen Holocaust-Leugnern.
Auch in banalen Dingen zeigt der Student seine Begeisterung für den Nationalsozialismus: So verfasste er eine Geburtstagsadresse für Hitler und begab sich auf die Suche nach einer „nationalgesinnten“ Gefährtin und „Kameraden“ im Göttinger Umland. In einem anderen Beitrag erläutert er seine politische Motivation: er hoffe auf ein nationalsozialistisches Deutschland, womit die „Ehre“ seiner Großeltern wiederhergestellt würde und er selbst sowie „das deutsche Volk“ die „Menschenwürde“ zurück haben würde. In politischen Diskussionen sind für den Neonazi die Parteien im Bundestag „Salonbolschewisten“, die eine „offen antideutsche, kommunistische Politik“ vertreten würden.
Im Göttinger Stadtleben war der Student nicht als Neonazi in Erscheinung getreten. Göttingen ist für den bekennenden Neonazi eine „Zeckenhochburg“. Wohl auch deshalb agitierte er zentral über das Internet, das vermeintliche Anonymität bot.
Die Aktivisten, die das Outing des Neonazis betreiben, erläutern auch ihre Motivation. So sei es unverantwortbar, Neonazis nach einem Studiumsabschluss in gesellschaftlich einflussreiche Positionen rücken zu lassen, die manipulative Betätigung erlaubten. Ihnen war es gelungen, aus Informationen, die sich über das jahrelange Engagement des Neonazis im Internet finden ließen, den Rückschluss auf den Studenten herzustellen.
Die Redaktion bittet darum, hier – in den Kommentaren – keinen direkten Personenbezug herzustellen und auch keine Links auf Seiten zu setzen, die das tun. Wir sind rechtlich gezwungen, die Kommentare ggf. zu bearbeiten oder zu löschen und bitten um Verständnis, dass Monsters nicht der Ort ist, die beschriebene Aktion fortzusetzen. Ihr würdet uns viel Arbeit machen und einigen Risiken aussetzen, wir hoffen, ihr habt Verständnis. Vielen Dank!
Über ein Jahr ist es her, dass die Revolten im nahen Osten Europa in ihren Bann zogen. Mittlerweile ist die Situation diffus und schwer durchschaubar. Jetzt waren einige AktivistInnen aus Tunesien zu Besuch in Göttingen – Monsters hat mit Ihnen über die Situation in Tunesion und den Charakter linksradikaler Bewegungen im post-revolutionären Tunesien gesprochen.

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Ich schätze Monsters genauso wie Indymedia linksunten als zuverlässige Informationsquelle.
Comment von Clarissa — 4. Februar 2011 @ 21:07
finde ich gut ! nuff said
Comment von NEB — 4. Februar 2011 @ 22:42
sagt doch mal eine der „websites“! muss ja kein link sein, aber auf diese art und weise (keine referenzen, hinweise etc.) gehört der artikel in die tonne, weil keinR nicht weiß bzw. wissen kann.
Comment von not studi — 5. Februar 2011 @ 00:02
Clarissa hat schon alles zu dem Thema gesagt;-)
Comment von @not studi — 5. Februar 2011 @ 00:09
Auch wenn die Ansichten des Herrn wohl alles andere als vertretbar sind und tief blicken lassen, wird diese Öffentlichmachung (so glaube ich) ein enormes juristisches Nachspiel haben für alle Beteiligten. Trotzdem möchte ich in der Haut des Geouteten nicht stecken…das hat sein Leben seit gestern ruiniert. Es sei denn, er wandert aus und legt sich eine neue Identität zu
Comment von Stefan — 5. Februar 2011 @ 12:04
Aber ist es nicht genau das, wofür Neonazi-Outings gut sind? Damit man ihnen die Möglichkeit nimmt, sich beruflich und sozial zu festigen und damit Strukturen auszubilden, in denen sie ggf. Macht entwickeln können.
Seit kurzem begegnet man auf dem Campus und in einigen Uni-Gebäuden diesen „Steckbriefen“ von diesem Menschen. Wer mehr Infos will, soll einfach dort die Augen offen halten.
Comment von Oro — 5. Februar 2011 @ 13:19
Und was geschieht dann mit denen? Nach so einer Publizierung werden ja die Betroffenen nicht aus der Gesellschaft verschwinden. Aufspüren und ausgrenzen. Für mich drückt das eher die Hilflosigkeit im Umgang mit solchen Menschen aus und unterstreicht zudem die Vorurteile der Links-Rechts-Gleichmacher, nämlich dass beide keine Ahnung haben, wie sie mit konträren Meinungen umgehen sollen.
Comment von @oro — 5. Februar 2011 @ 14:38
an alle mit zu wenig info: ihr seid doch fit im internet unterwegs, oder? einfach suchmashcine öffnen, suchbegriffe eingeben (z.B: Beruf, Wohnort und „Problem“der gesuchten Person), suchen anklicken und abwarten…nicht immer alles vorkauen lassen…
Comment von ich — 5. Februar 2011 @ 15:12
Und mal wieder fragt keiner, ob das nun auch stimmt, Hauptsache Nazi aufgedeckt. Rufmord ist so bequem im Internet… Hoffen wir für den Herrn mal, dass er zu Recht bezichtigt wird.
Comment von was für ein muell — 5. Februar 2011 @ 16:13
@@oro: Werd doch Sozialarbeiter*In
Comment von Zong! — 5. Februar 2011 @ 18:18
…und du Verfassungsschützer_In
Comment von @zong! — 5. Februar 2011 @ 18:39
danke für diesen erheiternden Moment
Comment von lustig — 5. Februar 2011 @ 18:54
in göttingen scheint es offensichtlich doch einige ‚aktive‘ nazis mehr zu geben, als man allgemein denkt. dieser fall zeigt einmal mehr, dass nazis sich in göttingen alles andere als sicher fühlen und versuchen, ihre gesinnung von vornherein geheim zu halten, als offen aktiv zu agieren. das spricht für göttingen und gefällt mir. ungefährlicher werden nazis dadurch nicht unbedingt – erst recht nicht, wenn sie hier ein studium erfolgreich zu ende bringen, die karriereleiter aufsteigen und einfluss in dieser gesellschaft haben, der wir irgendwie alle angehören. von nazis wie X. hat man auf offener straße wenig zu befürchten, aber geistige brandstiftung lässt sich wunderbar im internet ausüben. nicht auszudenken, was ein in seiner meinung gefestigter nazi wie X. anrichten könnte, wenn er arzt würde. dies sollte verhindert werden. er sollte niemals aus den augen verloren werden. er kann umziehen, aber die nun veröffentlichten informationen über sein braunes ich, werden ihm folgen.
für eine bessere welt, ohne nazis!
Comment von misterx — 5. Februar 2011 @ 21:49
Hey, ich hab da noch drei Nazis bei uns auf dem Hinterhof, die sich immer hinter den Mülltonnen treffen…
Comment von mo9plus — 6. Februar 2011 @ 18:16
Die Sache ist mittlerweile auch im GT angekommen:
http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Polizei-ermittelt-gegen-mutmasslichen-Holocaustleugner
Comment von retmarut — 23. Februar 2011 @ 01:44
http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Goettingen/Uebersicht/Polizei-ermittelt-gegen-mutmasslichen-Holocaustleugner
Comment von Klabusterbeere — 23. Februar 2011 @ 08:38
Schön, dass die GT-Leser jetzt direkt zur NO übergehen können und sich dort auch mit Dr. med. Nazi solidarisieren können. Immerhin Kommentarbereich im GT gesperrt.
Comment von richard_burton — 23. Februar 2011 @ 10:28
Was ist denn die NO?
Comment von Rakete — 23. Februar 2011 @ 13:05
[Monsters/Edit: Der gepostete Link wurde aufgrund neonazistischer und antisemitischer Inhalte gelöscht.]
Comment von richard_burton — 23. Februar 2011 @ 13:22
@ Rakete und Co.: Nehmt doch bitte den Direktlink, den richard_burton gesetzt hat, raus. Der führt direkt auf eine Nazi-Seite.
Comment von retmarut — 23. Februar 2011 @ 13:32
Vicious cycle.
Comment von richard_burton — 24. Februar 2011 @ 14:21
Auf altermedia machen die Nazis daraus jetzt auch nen großen Aufhänger
Comment von Besserwisser — 26. Februar 2011 @ 17:34
In der HNA hat der geoutete Student sich „entschuldigt“ und „eine schwierige Phase seines Lebens“ als Begründung für seine Aktivitäten angegeben.
http://www.hna.de/nachrichten/landkreis-goettingen/goettingen/linken-nazi-geoutet-student-entschuldigt-sich-aeusserungen-1147633.html
Comment von Kokain — 4. März 2011 @ 16:07