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Arm und Reich im Tod vereint

Die archäologische Grabung auf dem Campus der Universität ist beendet worden, der Bau am Lern- und Studienzentrum hat begonnen. Am Dienstag wurden die Untersuchungen am ehemaligen katholischen Friedhof der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben „heidnischen“ Bräuchen ging es auch um aufgesägte Schädel.

Eigentlich sollte das Lern- und Studienzentrum jetzt schon fast fertig sein. Stattdessen erstreckt sich am Bauplatz ein Feld leerer Gräber. Der Bau hatte sich mehrfach verzögert, zuletzt, weil ein katholischer Friedhof auf dem Gelände entdeckt wurde (MOG berichtete). Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1910 wurde dieser genutzt, 4000 Quadratmeter war er groß. In einem Ausschnitt davon, auf der 600 Quadratmeter großen Baufläche, wurden insgesamt 146 Bestattungen untersucht, 30 davon waren Kinder. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 200.000 Euro. Diese werden laut Joachim Münch, Vizepräsident der Universität, nicht wie das voraussichtlich neun Millionen Euro teure Gebäude aus Studiengebühren finanziert, sondern von der Universität aus anderen Mitteln beglichen.

Bei seinen Grabungen stieß das archäologische Team auch auf 32 Körper, bei denen Schädel, Wirbel, Becken oder Gliedmaßen aufgesägt worden waren. Die Grabungsleiterin Katrin Christeleit vermutet, dass die Personen ihre Körper nach ihrem Tod der Anatomie der Universität zur Verfügung gestellt haben, weil sie sich sonst kein Begräbnis leisten konnten. Die genaue Auswertung der Befunde wird sich aber wohl noch einige Zeit hinziehen. Bislang fehle es an Geldern, so die Göttinger Stadtarchäologin Betty Arndt. Im Anschluss an die Untersuchungen sollen die Leichenreste erneut beigesetzt werden.


Hier sollte eigentlich bereits das Lernzentrum stehen. Zumindest die „modernen Lernboxen“ sind bereits gut zu erkennen…

Nur wenige Meter neben den vermeintlich armen KatholikInnen lagen aber offenbar auch sehr wohlhabende Personen begraben. Drei Grüfte deuten darauf hin, ebenso mit Zink verzierte Särge. Außer diesen haben die ArchäologInnen auch zahlreiche Grabbeigaben gefunden. Neben klassischen katholischen Gegenständen wie Kruzifixen, Rosenkränzen und Heiligenbildchen auch viele Münzen. „Das ist sehr wahrscheinlich ein alter Brauch, so etwas ähnliches wie ein Charonspfennig“, vermutet Christeleit. In der griechischen Mythologie wurde der Fährmann Charon für den Transport der Verstorbenen ins Totenreich mit einer Grabbeigabe entlohnt. Ähnliches gab es auch in zentraleuropäischen Raum.

Am Dienstag haben mit dem Zuschütten der Gräber auch die Bauarbeiten am Lernzentrum begonnen. Fertiggestellt werden soll das Gebäude jetzt voraussichtlich Anfang 2013. Wenn nicht wieder etwas dazwischen kommt.

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